RSS

Merci Congo

P1060283

Hier bin ich wieder,

Sorry, eigentlich hatte ich ja vor, mich öfters vom Kongo aus zu melden, aber das habe ich leider nicht mehr geschafft. Mittlerweile bin ich (leider!!) schon seit zwei Wochen wieder in Deutschland und habe mich auch schon einigermaßen wieder akklimatisiert.

Unsere Wochen im Kongo sind einfach wie im Fluge vergangen. Wir wurden immer wieder irgendwo eingeladen und sind ständig rumgefahren, um Freunde zu besuchen. Insgesamt waren wir zwei Wochen in Kolwezi, vier Tage in Kasumbalesa und eine Woche in Lubumbashi. Dort hätten wir eigentlich die neuen MAZ-Freiwilligen abholen und empfangen sollen, aber die kamen leider zwei Wochen später, weil sie noch kein Visum für den Kongo hatten. Das ist bisschen unglücklich gelaufen. Somit haben wir sie nicht mehr getroffen, was schade war, aber wir haben uns trotzdem nicht gelangweilt. Im Gegenteil  😀

Ich habe noch ein paar Fotos in meiner Galerie hinzugefügt, dann könnt ihr bisschen sehen, was ich noch so erlebt habe.

Insgesamt war es eine wunderbare, einzigartige Zeit. Auch wenn bisschen was schief gelaufen ist, was uns in einem ganzen Jahr nicht passiert ist, aber dann natürlich in 4 Wochen (z.B. dass uns Geld gestohlen wurde, das Gepäck erst nach zwei Wochen ankam, ein Gepäckstück gestohlen wurde oder der Foto kaputt ging) und es auch ein paar traurige Ereignisse gab (z.B. ein paar Todesfälle), hat sich diese Reise auf jeden Fall gelohnt. Ich bin sehr froh, es gemacht zu haben. Wenn man nach Afrika fliegt, muss man halt auch mit einigem rechnen. Deswegen hält es mich nicht davon ab, wieder hinzufliegen. Im Gegenteil; ich hoffe jetzt schon wieder, so bald wie möglich wieder hin/heimzukommen. Diese Reise war einfach noch wie eine Zusicherung, dass man wirklich immer wieder hinkommen kann. Es ist schön zu wissen, dass man jederzeit willkommen ist. Das haben wir jetzt sozusagen getestet und auch bestätigt bekommen. Und es war auch schön zu erleben, dass nicht nur wir ein ganzes Jahr lang an den Kongo gedacht haben und die Menschen vermisst haben, sondern dass sie genauso an uns gedacht haben. Im Wohnzimmer der maison centrale lag noch unser Fotoalbum, das wir ihnen damals zum Abschied geschenkt haben, auf dem Couchtisch. Die erste Seite war schon abgerissen und insgesamt sah es sehr abgegriffen aus, so als wäre es wirklich durch viele Hände gegangen und oft angesehen und durchgeblättert worden. Da wird es einem schon warm ums Herz. Ich habe auch noch nie in meinem Leben so herzliche und freudige Wiedersehen erlebt wie jetzt im Kongo. Natürlich war es nicht bei jedem gleich, und die Beziehungen waren auch nicht mehr zu allen so wie letztes Jahr. Aber das ist ja auch nach einem Jahr „Trennung“ normal. Es ist die Stimmung insgesamt, die es ausmacht. Und die war super. Und im Prinzip hatten wir das Gefühl, nie weggewesen zu sein. Die Schwestern haben uns jetzt nach den zwei Wochen in Kolwezi sogar was zum Abschied geschenkt. Total süß. Ich glaube, sie haben schon verstanden, wie viel Aufwand und Geld es für uns bedeutet, sie einfach mal für vier Wochen im Kongo zu besuchen. Das haben sie wirklich wertgeschätzt. Es war auch so cool, weil uns teilweise Leute in der Stadt auf der Straße oder im transport wieder erkannt haben, manchmal sogar mit Namen. Auch z.B. Eltern von ein paar Kindergartenkindern. Andererseits passiert es natürlich auch, dass mich die Kinder auf der Straße jetzt „Tantine Regine“ gerufen haben, weil ja Regina (eine unserer Nachfolgerinnen) im Kindergarten gearbeitet hat. Aber das ist ja auch logisch, schließlich waren die Kinder jetzt ein ganzes Jahr mit Regina zusammen und da ist dann einfach jedes weiße Mädchen eine Regina 😀 aber es gab auch ein paar Kinder die mich wiedererkannt haben und das freut einen dann natürlich umso mehr 😀

Ich habe mich auch jetzt in Deutschland schon wieder mit der Mirjam getroffen, die andere MAZ-lerin, die dieses Jahr nach uns dort war und die wir dort die erste Woche noch getroffen haben. Es ist jetzt auch echt schön, sich noch mit anderen Menschen über den Kongo austauschen zu können. Davor konnte ich immer nur mit Linda wirklich darüber reden, weil ja sonst noch keiner dort war und ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

Meine Bilanz ist, dass sich diese Reise auf jeden Fall rentiert hat. Ich war davor wirklich unglaublich aufgeregt (mir kam schon der Hinflug so unglaublich unendlich lang vor, weil ich einfach schon so gespannt war. Die Schwestern, die uns am Flughafen abgeholt haben, habe ich auch erst mal nur angestarrt, weil ich noch Garnichts sagen oder tun konnte. Ich stand einfach nur stumm da. Ich war so überwältigt, plötzlich die Leute wieder zu sehen, die ich ein Jahr lang so vermisst habe. Ein Monat vor dem Abflug habe ich in Deutschland schon jede Nacht von dem Wiedersehen geträumt. Aber in Echt ist es doch noch ganz anders) und habe schon hin und wieder gezweifelt, ob diese Reise so eine gute Idee war. Ich hatte Angst, irgendwie enttäuscht zu werden, z.B. wenn die Leute auf einen vielleicht nicht mehr so reagieren, wie man erwartet hätte. Oder dass ich irgendwie traurig werde, wenn ich mal alles aus den Augen einer Besucherin sehe und nicht mehr als MAZ-lerin, die dazugehört und mitarbeitet dort bin. Aber ich wurde nicht enttäuscht. Weder von den Leuten noch von der Rolle der Besucherin. Wenn die Schwestern von Leuten in der Stadt gefragt wurden, wer wir sind, haben sie immer geantwortet: „Das sind unsere Freunde (aus Deutschland), die kommen uns jedes Jahr besuchen“. Auch Besucher zu sein, kann schön sein. 😀  Und so wirklicher Besucher ist man eh nicht, wenn mein ein Jahr dort gelebt und gearbeitet hat. Man gehört immer irgendwie dazu. Wir werden von den Schwestern auch oft als Pioniere bezeichnet, da wir ja die ersten MAZ-Freiwilligen bei ihnen waren. Also selbst wenn wir die Rolle der MAZ-ler nicht mehr haben, wird uns die Rolle der Pioniere und die Rolle, als ein Teil der Familie, immer bleiben.

Somit haben sich diese vier Wochen wirklich total gelohnt; egal wie viel ich verloren habe, mir gestohlen wurde oder kaputt ging. Die Erfahrungen, die ich jetzt wieder gemacht habe, die Wiedersehensfreude und alles drum herum kann mir nichts und niemand ersetzten. Das ist mehr wert als alles andere.

Und das Afrikafieber lässt mich nicht mehr los. So wie es momentan aussieht, werde ich mein Praxissemester nächsten Frühjahr auch in Afrika, sehr wahrscheinlich in Tansania, machen.

Ich komme wieder   😀

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - September 23, 2013 in Unzugeordnet

 

Willkommen zurück – Bon retour

P1140552

Jambo yenu, Habari yenu !!!

Am Montag sind wir wieder sicher im Kongo gelandet 😀

Nach einer 30 Stunden langen Reise (erst mit Zug, dann mit Flugzeug von Frankfurt, über Addis Abeba über Ndola nach Lubumbashi) sind wir endlich wieder daheim angekommen. Nur leider ohne Gepäck (das bis heute noch nicht da ist…..4 Tage später…..es bleibt spannend). Am Dienstag sind wir dann gleich nach Kolwezi weitergefahren. Mittlerweile ist fast die gesamte Strecke Kolwezi-Lubumbashi geteert, es fehlen nur noch ca. 35 Kilometer (sehr viel früher als sonst sind wir aber trotzdem nicht angekommen). Hier in Kolwezi in unserem Kloster ist mega viel los, da wegen der Gelübdefeier, die am 15.8. war, fast alle Schwestern nach Kolwezi gekommen sind. Wir haben noch ein paar neue Schwestern kennen gelernt, aber das allerschönste war natürlich das Wiedersehen mit unseren Schwestern. Das war soooooooooooooo unglaublich, sooooooooo schön, soooooo unbeschreiblich………wie ein Traum, ich dachte die ganze Zeit es sei ein Traum. Wir wurden auch schon am Flughafen von zwei Schwestern abgeholt und da konnte ich es noch gar nicht fassen, sie wieder zu sehen. Und jetzt hier in Kolwezi, das uns immer noch so vertraut ist, wie immer, einfach als wäre man längere Zeit nicht zu Hause gewesen, aber letztendlich doch zurückgekommen, fühlen wir uns wieder unglaublich wohl. Von der ersten Sekunde an. Und es war einfach so schön, wieder alle zu sehen und in die Arme schließen zu können. Wir haben sie wirklich sehr stark vermisst. Wir wohnen auch hier wieder in unserem damaligen Zimmer, mit den zwei MAZ-lerinnen zusammen, die das Jahr nach uns gekommen sind. Sie bleiben noch bis 20. hier. Das war schon im ersten Moment ein komisches Gefühl, zwar in unserem Zimmer zu sein, das aber mittlerweile ihr Zimmer ist. Dennoch haben wir uns schon aneinander gewöhnt und der Austausch ist wirklich sehr interessant, was sie erlebt haben und welche Eindrücke sie haben im Vergleich zu uns.

Am Mittwoch wurden wir auch gleich in die Dekorationsgruppe eingeteilt. Wir haben die Kirche für die Gelübdefeier geschmückt. Einfach so, als würden wir eh die ganze Zeit hier sein 😀 völlig normal 😀

Gestern war dann das große Fest (wir hatten ja leider nichts zum anziehen, aber die Schwestern haben uns freundlicherweise ihren Festtagskanga gegeben und weiße T-Shirts, so sahen wir fast aus wie Schwestern). Die Messe hat über 4 Stunden gedauert, aber es kam mir überhaupt nicht so lang vor. Jetzt merke ich erst wieder, wie sehr mir diese Gottesdienste abgegangen sind. Die Musik, die Lieder (wir konnten sogar einige mitsingen – auf swahili 😀 ) das Tanzen, der Jubel, die Schreie, die unglaublich ausgelassene Freude. Das tut so gut, dass wieder zu erleben. Ich fühl mich plötzlich wieder so ausgeglichen, rundum glücklich und zufrieden, wie vor zwei Jahren. Ich bin froh, dass sich daran nichts geändert hat. Bei der Feier haben 4 Novizinnen ihre ersten Gelübde abgelegt und somit das Kopftuch bekommen, 4 Schwestern haben ihre Gelübde auf Ewigkeit abgelegt und eine Schwester, die erste kongolesische Salvatorianerin, hatte ihr 25 jähriges Jubiläum. Es war wirklich ein unglaubliches Fest. Danach natürlich wieder mit viel Puder und weißen Schaumspray in der Luft. Zu Beginn der Messe durften wir sogar mit den Schwestern in die Kirche einziehen. Wir waren wieder ein Teil von ihnen.

Danach war dann noch eine große Feier im großen Festsaal von unserer Schule. Es wurde gegessen, getrunken, geratscht, gelacht, getanzt…….alles wie immer 😀 ich habe auch schon die zwei Tantines vom Kindergarten getroffen, das war ein wunderschönes Wiedersehen. Ich hoffe, ich werde auch noch ein paar Kinder treffen (leider sind ja momentan Ferien). Im centre uzima, wo die Linda gearbeitet hat, haben wir auch schon vorbeigeschaut.

Jetzt warten wir noch sehnsüchtig auf das Gepäck, weil da ja alle Mitbringsel drin sind, und dann fahren wir weiter rum, Leute besuchen und überraschen 😀

toutes les bonnes choses

bisous

Tantine Lea

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - August 16, 2013 in Unzugeordnet

 

„Ein Jahr Kongo – und sie will wieder zurück“

Das war die Überschrift meines letzten Artikels, genau vor einem Jahr (am 09.08.2012). Und jetzt, ein Jahr später, geht sie auch wirklich wieder zurück. Juhuuuuuuuuuuu!!!!

Am Sonntag geht die „große“ Reise in unsere zweite Heimat los 😀 wir stehen schon in den Startlöchern: Zug- und Flugtickets sind besorgt, alle Mitbringsel sind gekauft (jetzt müssen sie nur noch irgendwie in einen 23 kg Koffer passen) und in meinem Kopf gibt es eh nur noch Kongo 😀 es bleibt alles spannend (unsere Flugdaten wurden auch schon wieder geändert; jetzt haben wir irgendwo in irgendeinem afrikanischen Land noch einen Zwischenstopp, wir wissen zwar nicht wo, aber Hauptsache, wir kommen irgendwie an)

Das nächste Mal melde ich mich dann schon aus dem Kongo 😀

DSCN3921 (2)

DSCN3928 (2)

 

 

 

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - August 8, 2013 in Unzugeordnet

 

Hallihallo

Hier bin ich mal wieder, und zwar mit super mega tollen wundervollen Neuigkeiten:

Linda und ich fliegen im August wieder für einen knappen Monat in Kongo 😀 😀 ich freu mich schon soooooooooooooooooo sehr darauf 😀 dann werde ich auch mal wieder ein bisschen mehr in meinen Blog schreiben; über meine Erfahrungen, nach einem Jahr wieder zu meiner Familie nach Kolwezi zurückzukehren.

Wir fliegen am 11. August los 😀

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Mai 9, 2013 in Unzugeordnet

 

Grüß Gott, Bonjour, Hallo, Salut, Servus oder jambo yeno?

Seit nun fast zwei Wochen bin ich wieder zurück in Deutschland und ihr seht, mit den verschiedenen Sprachen komme ich noch ein wenig durcheinander. Aber ansonsten bin ich schon gut daheim angekommen, körperlich zu 100%, geistig ca 80% und seelisch ungefähr zu 50%. Aber bevor ich euch von meinem „zurück in Europa“- Erlebnis erzähle, berichte ich noch kurz von meinen letzten Wochen im Kongo.

Wie schon angekündigt haben Linda und ich eine Woche „Urlaub“ in Lubumbashi und Kasumbalesa gemacht, und dann kamen schon Lindas Eltern für zehn Tage zu uns auf Besuch. Wir haben im Prinzip noch mal das gleiche Programm veranstaltet, wie für meinen Elternbesuch, nur ein wenig ausführlicher. Leider war die Schule schon zu Ende, deswegen konnten wir dort nur noch die Gebäude „bestaunen“, aber dafür verbrachten wir mehr Zeit im Centre von Linda. Für mich war das auch noch ein sehr schönes Erlebnis, nach längerer Zeit mal wieder im centre zu sein, da ich echt zwei unterernährte Kinder (von einem Jungen habe ich mal berichtet) fast nicht mehr erkannt hätte, weil sie schon so gut zugenommen haben. Aber andererseits wurden an dem Tag auch wieder zwei neue Kinder ins Programm für die Unterernährten aufgenommen, und da ist man einfach jedes Mal wieder beim ersten Blick nur geschockt, wie man es so weit kommen lassen kann und wenn man dann noch das Alter der Kinder/Babys erfährt, ist man noch mehr schockiert.

Doch ein wunderschönes Erlebnis hatten wir noch zusammen mit Lindas Eltern. Die Schwestern, mit denen ich im Kindergarten gearbeitet habe, haben mit allen Mitarbeiterinnen des Kindergartens noch einen Ausflug zu unserem „Ferienhaus“ (das wir doch mal im Oktober ein bisschen renoviert haben) als kleine Begrüßungsfeier für Lindas Eltern und kleine Abschiedsfeier für Linda und mich geplant. Typisch afrikanisch wussten wir aber erst am besagten Tag um neun Uhr in der Früh, wie, mit welchem Verkehrsmittel und auf welchen Wegen, wir dort hingelangen. Aber besser spät als nie. Dort haben wir einfach einen schönen Faulenz-Tag am See verbracht, wir haben uns auf der Wiese unter den Bäumen Matten ausgelegt und dort gelegen, gegessen, geratscht, Musik gehört….und sind dazwischen auch mal wieder ein bisschen spazieren gegangen um z.B. frische Fische zu kaufen. Doch nach dem Essen sind plötzlich alle singend in einer Reihe auf uns zugekommen und haben Linda und mir jeweils ein Gemälde von meinem Kindergarten bzw. für Linda vom centre uzima überreicht. Die haben sie extra für uns als Abschiedsgeschenk anfertigen lassen. Linda und ich waren einfach nur noch überwältigt, sprachlos und zu Tränen gerührt. Das war so einer der ersten Momente, in denen wir langsam verstanden haben, dass es wirklich bald zu Ende geht. Und wie Lindas Eltern dann wieder zurück nach Deutschland geflogen sind, hatten wir nur noch sieben Tage im Kongo und da ging alles drunter und drüber und plötzlich so unglaublich schnell. Daheim in Kolwezi waren wir ziemlich beschäftigt mit Koffer packen (obwohl wir am Flughafen in Lubumbashi sowieso noch einmal alles umpacken mussten, weil es den Leuten am Flughafen nicht gepasst hat, mit welchen Gepäckstücken wir reisen) und Zimmer „sauber – Hinterlassen“. Dann war am Samstag noch Priesterweihe für vier Salvatorianerbrüder und fünf Franziskanerbrüder, was mal wieder ein Messe von ungefähr fünf Stunden und ein anschließendes Fest in Tshabula beinhaltet hat. Für die Priesterweihe kam extra ein kongolesischer Salvatorianer-Bischof, der eigentlich auf den Komoren als Missionar tätig ist, angereist. Somit waren wir den ganzen Samstag wieder auf Achse.

Die letzten Tage in Kolwezi und Lubumbashi bekamen wir natürlich auch noch einigen Besuch, weil sich jeder noch persönlich verabschieden wollte, wie z.B. meine Freundinnen aus dem Chor oder Lehrer aus der Schule, oder wir wurden noch zu manchen Familien nach Hause eingeladen. Die Schwestern bei uns im Haus meinten schon, sie müssten uns die letzten Tage noch einsperren, weil wir in letzter Zeit so viel unterwegs waren, und sie ja auch noch was von uns haben wollten. Aber unsere Schwestern haben für uns daheim in Kolwezi an unserem letzten Abend eine Messe in unserer Kapelle organisiert, mit anschließendem festlichem Abendessen. Dafür waren noch die Schwestern aus Bukama (das Kloster neben der Schulanlage) eingeladen, damit alle Tische voll besetzt waren. Im Laufe des letzten Monats sind nämlich sehr viele Schwestern in ihren sechs-wöchigen Heimat/Familienurlaub, den sie alle zwei Jahre haben, gefahren, und deswegen war es bei uns im maison central eigentlich schon sehr traurig, da von 20 plötzlich nur noch acht Schwestern übriggeblieben sind. Vielleicht war es somit wahrscheinlich eh die beste Zeit für uns abzureisen, da doch schon alles nicht mehr „normal“/wie gewohnt, war. Meine Schule war ja auch schon vorbei. Auf jeden Fall hat die Oberschwester vor dem Abendessen einen unglaublich lieben und süßen Dankesbrief für uns vorgelesen, bei dem uns mal wieder die Tränen kamen und danach haben wir sogar noch ein kleines Geschenk bekommen. Sie haben sich so viele süße Ideen einfallen lassen, mit so viel Aufmerksamkeiten hätten wir gar nicht gerechnet, zumal es ja eigentlich an uns gelegen wäre, sich zu bedanken, da wir ja wahrscheinlich am meisten von diesem Jahr profitiert haben. Da aber unser Französisch doch nicht ausreichend war um unsere Dankbarkeit in die richtigen Worte zu fassen, haben wir ihnen zum Abschied ein Fotoalbum geschenkt, durch das wir ihnen alle Ereignisse unseres gesamten Aufenthalts von September 2011 bis Juli 2012 mit Fotos und kurzen Erläuterungen immer wieder in Erinnerung rufen.

Die letzten Tage waren einerseits nicht so schlimm, wie ich befürchtet hätte, da wir doch noch durch Einpacken und Leute treffen relativ gut eingespannt und abgelenkt waren. Aber dennoch habe ich, glaube ich, noch nie so wenig geschlafen und so viel geweint wie die letzten vier Tage im Kongo.

Am nächsten Morgen ging es dann schon nach Lubumbashi, um dann den Morgen darauf in den Flieger Richtung Europa zu steigen (über Nairobi und Amsterdam bis nach München). Das Gepäck kam leider nicht zeitgleich mit uns in München an, was uns aber nicht weiter gewundert hat. Aber dadurch hatte ich mein erstes schönes „in Deutschland ist alles so gut organisiert“-Erlebnis, da am nächsten Morgen, bevor ich überhaupt wach war, schon meine zwei Gepäckstücke (und zwar wirklich meine und nicht die von Linda) bereits bei uns im Hausflur standen. Der Wahnsinn. Wie organisiert und pünktlich bei uns alles ist. Und auf der Heimfahrt vom Flughafen war auch mein erster Eindruck, dass es in Deutschland so sauber ist. Solche kleinen, aber beeindruckende Erlebnisse kamen aber dann im Laufe der ersten Tage immer wieder, z.B. bin ich fast vor Schreck zurückgesprungen, wie im Bad plötzlich so viel Wasser aus dem Wasserhahn kam; oder auch von so einer starken Klospülung oder einer wunderbaren Dusche, mit warmen, durchgehend fließendem Wasser von oben, bin ich auch echt begeistert. Das kann einfachen Wassereimern doch nicht so ganz das Wasser reichen. Doch abgesehen von diesen, doch lustigen, Erlebnissen in einem so hochentwickelten Land Europas, ist das „Sich-Einleben“ schon eine schwierige Angelegenheit, die so seine Zeit braucht. Am ersten Tag hatte ich das Gefühl, nie weg gewesen zu sein, da sich daheim gar nicht so viel verändert hat. Ich habe schon befürchtet, dass das Jahr im Kongo doch nur ein Traum war, und hatte auch Angst, dass dieses Gefühl so bleibt. Und das wär ja wirklich schade, wenn mir im Nachhinein ein gesamtes Jahr nur wie ein kurzer Traum in Erinnerung bleibt. Aber im Laufe der Tage hat sich das doch schon ein bisschen verbessert, z.B. als ich angefangen habe auszupacken. Doch da hatte ich auch immer mal wieder ein sehr komisches Gefühl, z.B. als ich alle Mitbringsel schön auf dem Tisch aufgestellt habe. Nach getaner Arbeit stand ich dann ein bisschen durcheinander davor und dachte mir, das kann es doch auch nicht sein, dass ich ein Jahr voller Erlebnisse und Eindrücke jetzt einfach auf einen Tisch stellen kann. Ich weiß, das hört sich jetzt alles vielleicht etwas komisch an und ist ein bisschen schwer nachzuvollziehen, aber das sind so die Gedanken die mir immer wieder in den Kopf schießen. Und ich glaube, bis das aufhört, wird es noch einige Zeit dauern. Es ist einfach so unglaublich schwierig,  wie man ein Jahr aufbereiten soll. Das fängt ja schon bei den Fotos an, ich habe so um die 8000, was macht man damit? Für ein Album sind es eindeutig zu viele, aber sie nur so am Computer zu lassen ist ja auch zu schade…….ja das sind so Sachen, da muss ich mich noch durchkämpfen. Ich habe auch vor dem Auspacken erst mal mein Zimmer entrümpelt, weil ich mich überhaupt nicht mehr wohlgefühlt habe, da einfach so viel (teilweise unnützes) Zeug drin steht. Das hat mich wirklich total eingeengt. Und nach einem Jahr Abstand konnte ich mich zum ersten Mal endlich überwinden ein paar Dinge abzugeben oder sogar wegzuschmeißen.

Ich wurde natürlich herzlichst von meiner Familie am Flughafen empfangen, meine Freunde haben auch eine kleine Willkommensparty für mich veranstaltet und auf dem Schulfest meines ehemaligen Gymnasiums war ich auch. Langsam habe ich fast alle Menschen wieder getroffen, aber das ist auch anstrengender als man sich es vorstellt. Natürlich freue ich mich wahnsinnig darüber, alle wieder zu sehen, aber die ersten Fragen sind halt immer die Gleichen, und wie soll ich in einem Satz sagen, wie das  Jahr in Afrika für mich war, „schön“, „super“??? Das geht einfach nicht. Und dann stellt sich auch die Frage, wenn so der erste Smalltalk beendet ist, über was redet man jetzt? wo fängt man an zu erzählen, wenn man ein Jahr nicht zusammen war? aber das ist auf beiden Seiten das Problem, also ich glaube auch für die Daheimgebliebenen. Aber wie gesagt, das sind alles Prozesse,  die einfach Zeit benötigen. Und im September haben wir mit unserer Gruppe der Freiwilligen noch ein „Rückkehrerseminar“, das uns noch viel Möglichkeiten zum Austausch bietet und beim „Wieder-Eingewöhnen“ sicherlich hilft.

Die Leute aus dem Kongo gehen mir trotzdem jetzt schon wahnsinnig ab, und ich tu mich so unglaublich schwer, wenn ich dran denke, dass ich nicht weiß, wann/wie oder ob ich sie wiedersehe. Aber die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Und ich bin ganz zuversichtlich, irgendwann wieder in mein zu Hause „Kolwezi“ zu kommen, zu meiner anderen Familie. Und bis dahin beschäftige ich mich jetzt ein wenig mit meinem Leben hier in Deutschland, mit meiner Familie und meinen Freunden hier, ich werde mich jetzt um einen Studienplatz bemühen, und dann sehe ich schon, wo mich das Schicksal hin verschlägt.

Dann bleibt mir jetzt abschließend nur noch DANKE zu sagen, dass ihr immer so fleißig meine Artikel gelesen habt, und ich somit, auch durch die zahlreichen Rückmeldungen, nie das Gefühl hatte alleine zu sein.  Falls irgendjemand noch mehr Interesse/ Fragen hat oder eine Gelegenheit für eine Vortrag oder so was Ähnliches anbieten möchte ,stehe ich natürlich immer gern zur Verfügung und  werde mich bemühen, so viel wie möglich wahrzunehmen, da es mir ja auch sehr viel Spaß macht,  zu erzählen und zu berichten.

Au revoir, Auf Wiedersehen, Bye, Chiao, Tschüss ?!?

 

 

„Was hat mir der MaZ Einsatz gebracht“ oder „Was nehmt ihr mit“

Das FSJ-Jahr im Kongo war für mich eines der spannendsten, eindrucksvollsten und auch glücklichsten Jahre bis jetzt. Es ist wirklich eine einmalige Chance, da man sonst kaum im Leben so viele neue Erfahrungen auf einmal in so kurzer Zeit sammeln kann und auch selten die Gelegenheit bekommt, so hautnah in eine fremde Kultur einzutauchen. Ich habe dort wirklich ein zweites zu Hause und eine zweite Familie gefunden.

Ich bin auf jeden Fall selbstbewusster, selbstsicherer,  aber auch aufgeschlossener  geworden. Man fängt an, sich mehr zuzutrauen und wird auch allgemein viel lockerer/gelassener z.B. im Umgang mit fremden Menschen.

Durch den Kindergarten habe ich noch mehr meine Liebe zu Kindern und die unglaubliche Freude an dieser Arbeit entdeckt. Dadurch, dass wir über 300 Kinder haben, herrscht eine wahnsinnige Vielfalt. Es wird nie langweilig und wenn so viele verschiedene Charaktere auf einem Haufen sind, ist immer was los. Es war auch so interessant die Entwicklung der Kinder innerhalb eines Jahres mitzuerleben, unter anderem auch im Umgang mit mir, einer Weißen.

Mich hat das Jahr außerdem noch sehr in meinem Glauben bestärkt. Durch das Leben in einem Kloster, v.a. mit so vielen jungen Schwestern, die teilweise in meinem Alter schon seit drei Jahren in der Ausbildung waren, habe ich angefangen, mich mehr mit Religion und Ordensleben auseinanderzusetzen und ihre Bedeutung mehr zu verstehen. Auch durch die vielen, wunderschönen Messen, die sehr von Musik, Tanz und Jubel/Freude geprägt sind, habe ich einen ganz neuen und erfrischenden Eindruck von Kirche bekommen, den ich hoffe, nie zu verlieren.

Das MAZ-Jahr hat mir also sowohl auf zwischenmenschlicher als auch auf religiöser Ebene sehr viel gebracht und weitergeholfen. Dafür bin ich allen unglaublich dankbar!

 

 

 

 

 

 

 

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Juli 30, 2012 in Unzugeordnet

 

Bonjour mes amis allemands!

Ich melde mich jetzt wieder nach meinem Familienbesuch und dem letzten Schultag im Kindergarten. Sprich in diesem Monat sind wieder einige, vor allem für mich emotional bedeutende Dinge passiert.

Ende Mai bekam ich, wie schon angekündigt, Besuch von meinem Vater mit Frau und Tochter. Dafür sind Linda und ich einen Tag vorher nach Lubumbashi gefahren, um sie am Flughafen abzuholen. Das war schon ein komisches Gefühl, so vor dem Flughafen zu stehen und zu wissen, gleich tritt durch die Tür jemand, den man seit 10 Monaten nicht mehr gesehen hat. Aber zum Glück war ich in dem Moment nicht alleine, Linda und zwei Schwestern haben mich begleitet und meine Familie gleich mit offenen Armen empfangen.  Außerdem ist es immer hilfreich mit Schwestern unterwegs zu sein, v.a. am Flughafen, wenn so einige bürokratische Dinge zu klären sind und bei Weißen meistens nur versucht wird,  ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und glücklicherweise ist nach ein paar Verhandlungen auch alles gut verlaufen und sie konnten in die demokratisch Republik Kongo einreisen.

Am Ankunftstag sind wir nachmittags noch ein bisschen durch Lubumbash-city spaziert und am  Samstag ging es in der Früh mit dem Bus schon weiter nach Kolwezi. Bei uns daheim wurden sie dann auch lautstark und freudig von allen Schwestern begrüßt. In den folgenden vier Tagen, habe ich versucht ihnen so viel wie möglich von Kolwezi und meinen wichtigsten Orten zu zeigen. Ich hätte nicht gedacht, dass das doch so eine Organisation erfordert, ich kam mir fast vor wie ein Reiseleiter. Aber andererseits hat auch genau das so Spaß gemacht;  auch mal den Dolmetscher zu spielen, war eine tolle Erfahrung. Auch wenn es manchmal schwieriger ist, als ich dachte, alles richtig wiederzugeben. Auf meinem Programm stand auf jeden Fall eine echt afrikanische Sonntagsmesse auf Swahili, ein Besuch im centre uzima (es wurden an dem Tag gerade einige hundert Babys geimpft), Besichtigung unseres Krankenhauses, des Marktes, einen Spaziergang durch die Stadt und zum domaine marial, einen Ausflug nach Tschabula und, meinem größten Highlight, einen ganzen Vormittag im Kindergarten und in der Schule. Die Kinder haben sich von ihrer „besten“ Seite gezeigt, und schön brav Gedichte vorgetragen, gesungen und getanzt. An diesem Tag war ich schon besonders stolz auf meine „Kleinen“.

Und dann ging es leider schon auch wieder zurück nach Lubumbashi und am nächsten Tag waren sie schon wieder weg. Es ist wirklich total schnell vergangen. Seit so vielen Monaten habe ich über diesen Besuch nachgedacht, mir vorgestellt, wie ich sie begrüßen werde, und was ich mit ihnen unternehmen könnte. Doch dann vergeht es so schnell, als wäre es nur ein Traum von einer Nacht gewesen. Aber  es war mir wirklich wichtig, jemanden aus Deutschland mal alles vor Ort zeigen zu können, damit sie es sich daheim, wenn ich erzähle, auch besser vorstellen können, von was ich eigentlich rede.

Direkt nach dem Besuch ging es im Kindergarten dem Endspurt zu, und ich wusste ja schon, dass viel Arbeit auf uns zu kommt, aber dass es wirklich so viel wird, hätte ich nicht gedacht. Schließlich ist es doch eigentlich „nur“ der Kindergarten, aber das darf hier nicht unterschätzt werden. Es ist hier doch für alle noch was besonderes, eine „Ausbildung“ im Kindergarten genießen zu können, und deswegen, glaube ich, wird das noch viel wichtiger genommen, als wie bei uns. Eben so wichtig, dass es echte Zeugnisse und Zertifikate gibt, und dass die Finalisten richtig gefeiert werden. Also als erstes musste ich von allen 107 Kindern der dritten Klasse Passfotos machen und entwickeln lassen. Dann habe ich die dazugehörigen Zertifikate für alle geschrieben. Zudem habe ich geholfen die Zeugnisse der ersten Klasse zu schreiben und die der zweiten Klasse zu kolorieren (je nach der Punktezahl bekommt man für ein Fach eine bestimmte Farbe, statt Prozente: Elite=gelb, Très Bien=blau, Bon=grün…..) Dann werden all die 300 Zeugnisse noch zu einem Inspekteur zur Kontrolle gegeben. Nebenbei haben wir in der dritten Klasse noch einen Test über 11 Fragen gehalten und dann müssen noch die Tänze, Vorträge, Theateraufführungen für den letzten Schultag geprobt werden. In dem ganzen Chaos habe ich mich noch ein bisschen dem kleinen Tanzmädchen angenommen, von dem ich in meinem letzten Artikel schon erzählt habe. Sie heißt Vero, und ihre Mutter ist mit ihren drei kleinsten Kindern nach Kolwezi gekommen, weil sie HIV positiv ist, und hofft in der Stadt besser „geheilt“ bzw. behandelt zu werden, als im Dorf. Sie ist bei ihrer Schwester untergebracht, die aber selber Kinder hat, deswegen kann sich keiner die Schulausbildung für Vero leisten. Sie war in ihrem Dorf schon mal in der ersten Klasse, musste die Schule aber dann durch den Umzug abbrechen. Das heißt,  sie ist doch schon älter, als wir anfangs vermutet haben, sie muss ca. 7 Jahre alt sein. Aber die Schwestern bemühen sich jetzt, dass sie nächsten September bei uns  in der Grundschule anfangen kann. Wir hatten dann auch die Idee, sie bei unseren Examen in der dritten Klasse mitschreiben zu lassen, damit wir sehen, wie viel sie ungefähr schon weiß. Leider hatten wir die Idee aber erst zwei Tage vorher. Ich habe sie dann zu uns in die Klasse geholt, und habe nach der Pause immer noch „Einzel/Intensivkurs“ mit ihr gemacht.  Ihren Namen konnte sie schon so ungefähr schreiben, die meisten Zahlen auch; ich habe ihr dann noch die fünf Vokale beigebracht (lesen und schreiben), Linien, Formen etc. Ich muss echt sagen, dass ich richtig aufgeregt war, wie sie bei dem Test mitgeschrieben hat; ich war sicher dreimal so aufgeregt als  sie selber, weil sich dann ja zeigt, ob meine Arbeit mit ihr überhaupt was gebracht hat. Das Schwierige daran ist auch, dass sie kaum französisch spricht, sie versteht glaube ich schon einiges, uns spricht auch alles brav nach, was ich vorsage, aber wirklich sprechen kann sie bis jetzt nur Swahili. Aber siehe da, sie hatte 87 von 100 Punkten, und gehörte somit auch zu den Besten aus unserer Klasse. Ich war wirklich wahnsinnig stolz auf sie und habe gleich der Direktorin den Test unter die Nase gehalten. Den musste sie sich gleich anschauen, weil ich mich einfach so sehr darüber gefreut habe. Und eines Morgens kam sie in der Früh, mal wieder als Erste, auf mich zugerannt, hat mich umarmt und hat  auf richtigem französisch zu mir gesagt: „Tantine Lea, c’est mon ami“ Oh Gott, ich habe mich über diesen Satz so unendlich gefreut, dass könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Ich habe mich wirklich total in das Mädchen verliebt, und die Arbeit mit ihr macht mir auch unglaublich viel Spaß, weil sie sich selber so freut, in der Schule sein zu dürfen/können, und wirklich mit viel Mut, Elan und Freude dabei ist.

Letzten Sonntag konnten Linda und ich noch eine Schwester bei einem „Apostolat“ von ihr begleiten. Sie geht nämlich zusammen mit einem Pfarrer jede Woche in das Gefängnis von Kolwezi, um dort für die Insassen eine Messe zu halten. Für uns war das die erste Erfahrung  dieser Art, in Afrika ein Gefängnis zu sehen.  Dort sind Männer und Frauen. Im Frauentrakt sind momentan 8 Frauen, bei den Männern sind es ca. 350. Man kann das Ganze aber wirklich nicht mit Gefängnissen bei uns vergleichen. Die Insassen bekommen kein Essen, manchmal nicht einmal Wasser um sich zu waschen. Sie sind völlig abhängig von Familienangehörigen/Freunden, die ihnen was zu essen oder Seife bringen. Dementsprechend lässt die Hygiene dort auch zu wünschen übrig und ehrlichgesagt riecht es auch ein wenig, wie in einem Tierstall und sieht auch so aus, weil sie alle so zusammengepfercht sind. Doch das ist eigentlich nicht das, was mich so geschockt hat. Bei den Frauen ( bei denen es, im Vergleich zu den Männern, doch noch sauberer ist, aber denen allen die Haare abgeschoren wurden) gibt es eine Frau die eine dreijährige Tochter hat, die im Gefängnis geboren wurde und seitdem auch dort aufwächst, seit drei Jahren und vier Monaten. Die Frau wurde von einem Wachsoldaten vergewaltigt und ist wahrscheinlich jetzt schon das zweite Mal schwanger. Aber das kleine Mädchen ist so entzückend, so süß, sieht richtig fröhlich aus. Es kam zu uns her und streckte uns gleich ihre kleine Hand zur Begrüßung hin, sie lächelt ständig und läuft im Gefängnis rum, als wäre es ein Wohnzimmer, mit vielen Besuchern. Es ist wirklich unvorstellbar. Wie kann man sowas nur zulassen? Aber bei Gefängnissen hier, wundert mich das kaum. Die Wächter sind wahrscheinlich noch froh, wenn die Insassen von selber sterben, weil sie dann keine Arbeit mehr haben. Obwohl natürlich auch noch regelmäßig Leute umgebracht, namens „Todesstrafe“ werden. Da fand ich es aber wirklich umso schöner zu sehen, dass dort jeden Sonntag eine Messe gehalten wird. Es waren auch total viele Insassen anwesend, und einige Männer bilden sogar den „Chor“ und haben gesungen. Anfangs fand ich es ein bisschen seltsam, dass sich eine Schwester um Gefängnisinsassen kümmert, das müssen ja schließlich irgendwelche Kriminelle sein. Aber wenn man dann sieht, wie die da drin „gehalten“ werden, find ich es um so bewundernswerter, dass sich eine Schwester das zur Aufgabe gemacht hat, dort zu beten und manchmal auch was zu essen mitzubringen.

Zu uns ins Kloster wurden jetzt auch wieder von diesem Engländer einige Säcke Gewand und Kuscheltiere etc. gebracht, und davon durften Linda und ich jetzt ein bisschen was aussuchen, was wir dann der Schwester mitgegeben haben, für das kleine Mädchen im Gefängnis. Ein bisschen was zum Anziehen und ein Kuscheltier zum spielen. Es ist zwar nicht viel, aber man hofft trotzdem ihr irgendwie eine Freude machen zu können. Und es fühlt sich auch ganz gut an, wenigstens irgendetwas versucht zu haben.

Am Samstag, den 23. Juni 2012 war dann DER große Tag für die école maternelle Salvator:  clôture de l’année scolaire 2011-2012. Die Veranstaltung, für die wir die Kinder, eigentlich schon das ganze Jahr über und verstärkt die letzten vier Wochen vorbereitet haben;  der Tag, für den die Uniformen für die Finalisten und für uns gekauft und genäht wurden;  der Anlass, an dem alle Zeugnisse und Zertifikate feierlich übergeben wurden; und der Tag an dem ich zum letzten Mal all meine wunderbaren Kinder gesehen habe. Ab in der Früh um acht haben wir die Kinder in der Schule erwartet, (nachdem ich am Tag zuvor noch meine Haare flechten lassen habe und dann aber wieder bis um sechs Uhr abends noch mit der Direktorin im Büro gearbeitet habe), richtig schick hergerichtet, die Haare zu aufwendigen Frisuren geflochten, die Finalisten der dritten Klasse mit ihren Uniformen, und die anderen Kinder in Festtagskleidung. So sind die Kinder fast kaum mehr wieder zu erkennen, aber mittlerweile kenn ich sie doch so gut, dass ich jeden sofort wiedererkannt habe, was mir z.B. vor Weihnachten noch unglaublich schwer gefallen ist, den Kinder ohne Schuluniform den richtigen Namen zuzuordnen. Dann kamen auch die Eltern und wichtige Persönlichkeiten,  wie der Vizebürgermeister und haben sich einen Platz im großen Saal gesucht. Und dann ging das Spektakel los. Angefangen mit der Nationalhymne, alle Finalisten und alle Lehrerinnen (eingeschlossen mir) standen auf der Bühne und haben gesungen. Danach gab es noch ein Willkommenslied „je veux dire merci papa, je veux dire merci mama, oh je vous aime, oh oh chers parents“.  Dann folgten ein paar Reden, und dann ging das Programm der Kinder los, angefangen mit den kleinsten aus der ersten Klasse und dann aufsteigend bis zur dritten. Es wurde gesungen, getanzt, récitations aufgesagt, Dialoge und kleine Sketche vorgeführt. Es gab immer großen Jubel und lautes Geschrei. Ich glaube die Eltern waren auf ihre Kleinen genau so stolz wie ich. Für mich war es echt so schön in der Rolle der Lehrerin zu sein; diejenige,  die immer bei den Vorbereitungen der Kindern dabei war, und bei der Aufführung dann hinter der Bühne die Kleinen der Reihe nach aufstellt und dann auf die Bühne stößt und zittert, ob sie es alleine hinbekommen. Und es haben wirklich ausnahmslos alle Kinder super mitgemacht. Sogar  Vero und Gracia, unsere zwei Tanzexperten,  haben besser getanzt denn je. Vero bekam sogar 18000 franc congolais von den Eltern zugesteckt, also sie hat schon einen kleinen Beruf gefunden, und das obwohl sie vielleicht gerade mal sieben Jahre alt ist. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie stolz mich all die Kinder gemacht haben. Somit war es für mich auch ein schöner Abschied mit viel Freude und wenig Trauer. Die kommt erst danach. Vor den Aufführungen habe ich auch noch jedem der 300 Kinder ein Freundschaftsarmband umgebunden, die ich die letzten Monate über geflochten habe, und ihnen erklärt, dass das bei uns ein Zeichen der Freundschaft ist, und sie so ihre Tantine Lea nicht vergessen werden, da ich ja bald leider wieder in Heimat zurück fahren muss, die so unendlich weit weg vom Kongo ist. Ich glaube die meisten Kinder haben es auch verstanden und sich richtig darüber gefreut. Für die Lehrerinnen hatte ich natürlich auch welche, aber ich konnte sie ihnen nicht schnell genug umbinden, weil sie mich gleich gefragt haben, „und ich? bekomme ich auch eines Tantine Lea?“. Ungeduldiger als alle Kinder. Am Ende der Vorführungen wurden im großen Saal dann noch die Zeugnisse verteilt , Kind für Kind auf die Bühne, was bei 300 ein wenig dauert, und bei den Finalisten gab es eben die Zertifikate dazu, das erste Zertifikat im Leben. Da gab es vielleicht wieder ein Geschrei und ein Gejubel. Die Eltern haben ihre Kinder vorne an der Bühne lautstark schreiend, mit Blumen und Geschenken abgeholt und es wurde Unmengen an Puder und Sprühschnee im ganzen Saal und eben vor allem auf die Köpfe der Kinder verteilt. Weißen Puder bekommt man hier immer auf den Kopf, wenn man irgendwas geschafft hat, wenn irgendwas zu feiern ist, irgendwelche Abschlüsse aber auch Hochzeit oder die Gelübde der Schwestern. Nach dem ganzen Spektakel gab es noch ein Fest für alle Lehrer und Eingeladenen. Ich glaube ich war erst um halb sieben Uhr abends wieder daheim, und meine Füße haben mir so wehgetan. Aber es war ein super schöner, wundervoller Tag. Danke, danke, danke…….

Jetzt ist also wirklich, zu meiner größten Trauer, die Schule bzw. der Kindergarten, das was mein Jahr hier hauptsächlich ausgemacht hat und mir die meiste Freude bereitet hat, vorbei. Aber zum Glück fahren Linda und ich jetzt gleich diese Woche nach Lubumbashi, um ein paar Tage dort „Urlaub“ zu machen; dann dürfen wir auch noch Salvatorianerschwestern in Kasumbalesa (c.a. ein Stunde von Lubumbashi entfernt, liegt direkt an der Grenze zu Sambia) besuchen. In Kasumbalesa haben wir eben noch ein kleines Kloster mit drei Schwestern,  die wir aber noch nicht kennen, und uns deswegen zu sich eingeladen haben. Und aus unserer, schon lang versprochenen, Reise ins Landesinnere wurde leider nichts mehr, da keine Zeit mehr war. Wirklich schade, so haben wir vom Land Kongo wirklich fast nichts gesehen, außer die zwei großen Städte Lubumbashi und Kolwezi, und das Landesinner, von dem uns immer alle vorschwärmen, blieb uns leider verwehrt. Aber das ist auch ein guter Grund, so bald wie möglich wieder her zu kommen.

Auf jeden Fall ist jetzt zum Glück gleich wieder was los, wodurch ich (hoffentlich) gar nicht zu viel Zeit habe, über das Ende der Schule und den bevorstehenden Abschied nachzudenken.

Im August vergangenen Jahres ist mir der Abschied von daheim, meiner Familie und meinen Freunden wahnsinnig schwer gefallen, aber das war ja nur ein Abschied für ein Jahr. Und jetzt hier, in wenigen Wochen, muss ich mich für unbestimmte Zeit verabschieden. Wie soll man das nur richtig anstellen? Aber andererseits habe ich auch versprochen, sobald ich die Mittel finde, sofort wieder zu kommen. Und wie interessant muss es dann sein, die Kinder wieder zu sehen, wie sie gewachsen sind? Doch irgendwie ist es andererseits auch ein Abschied mit weniger Angst, weil ich ja jetzt genau weiß, wo ich hin komme, und somit was habe, worauf ich mich auch wirklich freuen kann. Also diese Unsicherheit von letztem August ist vollkommen weg, und deswegen glaube ich auch, wird es ein „schönerer“ trauriger Abschied und ein freudig-aufregender Flug.

Somit verabschiede ich mich jetzt auch mal vorerst aus dem Kongo. Ich werde meine letzten Wochen hier noch in vollen Zügen genießen, und melde mich dann wahrscheinlich erst wieder, wenn ich auf deutschem Boden stehe, um euch das Ende noch zu berichten.

Bis dahin wünsch ich euch alles Gute und vielen Dank für euer stetiges Interesse,

eure Tantine Lea aus Kolwezi, RDC

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Juni 24, 2012 in Unzugeordnet

 



bonjour bzw.bonsoir

Ich wollte mich nur kurz melden, und euch sagen, dass ich schon Fotos vom Familienbesuch hochgeladen habe. War ein superschönes und besonderes Erlebnis für mich.

Viel Spaß bei den Fotos!!

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Juni 10, 2012 in Unzugeordnet

 

Jambo yeno!

Hier meldet sich wieder einmal Tantine Lea aus dem heißen Afrika. Ich weiß, es ist gar nicht so lange her, dass ihr von mir gehört habt, aber es sind doch mal wieder ein paar Dinge passiert, die ich erzählen wollte:

Anfang Mai wäre ja der „jour de l’enseignement“ gewesen, mit defilieren etc. Davon habe ich, glaube ich, schon mal erzählt. Dafür haben wir auch für alle Lehrer von Kindergarten bis Sekundarschule eine Uniform gekauft, also einen einheitlichen Stoff, aus dem ich mir einen Rock und eine Bluse habe nähen lassen. Leider wurde das Defilieren aber abgesagt, da genau an dem Tag irgendwelche „esxamens de l’Etat“ waren, also Abschlussprüfungen, und die sind überall im Kongo am gleichen Tag. Dann dachten wir, das ist auch nicht so schlimm, da es noch den JEC („ jour de l’enseignement catholique“) gibt, mit Messe, defilieren und Fest am folgenden Tag. Leider fand da aber auch nur die Messe statt und alles andere wurde abgesagt, weil unglücklicherweise eine Woche zuvor das Haus des Vorsitzenden Pfarrers abgebrannt ist. Ja so schnell kann sich alles ändern. Aber wir waren in der Messe, samt unserer Uniformen. Die  Messe hat mal wieder gute fünf Stunden gedauert, da dabei  ca. 200 Schüler auf einmal getauft wurden, Firmung und Erstkommunion hatten. Aber die Messe war trotzdem sehr schön, sie war im Freien, ein Schülerchor hat sehr schön gesungen und die kleinen Mädchen haben wieder getanzt. Und ich bin einfach immer wieder stolz, wenn ich bei sowas dabei sein kann und ganz offiziell und offensichtlich (also samt einheitlicher Uniform) Teil unserer Schule Salvator und Teil des „einseignement catholique“ in Kolwezi bin.

Ich konnte diesen Monat auch ein paar Tage noch die Erfahrung machen, im Büro des Kindergartens mitzuarbeiten, da die eine Schwester krank war und die Eltern momentan das dritte und letzte Trimester zahlen müssen. Das ist wirklich ein riesen Chaos. Seit den Osterferien hätten die  Eltern schon zahlen müssen, und das hat natürlich kaum jemand getan. Deswegen fangen wir dann zum Schluss hin an, die Kinder wieder nach Hause zu schicken, von denen die Eltern noch nicht bezahlt haben. Das ist natürlich nicht sehr gerecht, vor allem den Kindern gegenüber, die können ja überhaupt nichts dafür. Aber ich verstehe es schon, dass man anders keine Möglichkeit hat, das Geld für 300 Schüler einzutreiben. Nur so kann man den Eltern klar machen, dass sie zahlen müssen. Auf jeden Fall zahlen die Eltern ja alles in bar, und so war ich im Büro immer damit beschäftigt, das Geld zu zählen (was sehr viel zu zählen ist, da es ja keine größeren Scheine als 50 Cent gibt) und Rechnungen zu schreiben. Aber mir hat es trotzdem Spaß gemacht und es war eine neue Erfahrung.

Dann geht es ja schon mit großen Schritten dem Schuljahresende zu. Wir haben kaum mehr richtigen Unterricht, und es waren jetzt schon für die Grund- und Sekundarschule und für den Kindergarten „manifestations“. Das ist so ähnlich wie Schulfest. Nur das da mehrere Schulen zusammenkommen und immer ein paar Schüler als Vertreter für ihre Klasse und ihre Schule was vortragen:  Tänze, Lieder oder kleine Theaterstücke. Das ganze wurde auch noch im Sinne vom JEC organisiert. Das heißt die letzte Woche haben wir unsere Kinder auch fast nur noch darauf vorbereitet. Dazu habe ich noch eine schöne Geschichte: Bei einem Ausflug in Tshabula ist uns ein kleines Mädchen aufgefallen, das unglaublich gut tanzen konnte;  beim tanzen war sie plötzlich wie eine erwachsene Frau und konnte sehr beeindruckend ihre Hüften kreisen. Eine Schwester, mit der ich im Kindergarten arbeite, hat dann die Familie aufgesucht. Die Mutter kam mit ihren Kindern erst vor kurzen aus dem Landesinnerne hierher um Arbeit und/oder Geld zu suchen.

hier eine kleine Berichtigung: ich habe jetzt noch erfahren, dass die Mutter hier ist, weil sie Aids hat und hofft „geheilt“ oder zumindest behandelt zu werden. Deswegen ist sie in die Stadt gekommen. Aber sie wohnt mit ihren Kindern bei einer Familie und hat keine eigene Arbeit oder eine eigene Unterkunft. Deswegen kann sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken-

Leider hat sie bis jetzt nicht einmal die Möglichkeit ihre älteste Tochter in die Schule zu schicken. Wir haben ihr angeboten, dass sie wenigstens noch bis zum Schuljahresende zu uns in Kindergarten kommen könnte, und dafür müsste sie uns dann bei den „manifestations“ unterstützen und für vortanzen. Sowohl die Mutter als auch das Mädchen, haben sofort zugestimmt. Wir haben ihr eine Schuluniform gegeben und seitdem kommt sie wirklich jeden Tag zu uns in die Schule und hat auch für uns supergut getanzt. Es ist so schön zu sehen, wie es ihr bei uns im Kindergarten gefällt und Spaß macht. Ich glaube,  wir haben ihr wirklich eine große Freude bereitet und einen Wunsch erfüllt. Ihr Lächeln jeden Tag zwischen unseren Kindern zu sehen lässt auch mir jeden Tag das Herz wieder vor Freude aufgehen. Hoffentlich kann sie dann ab nächstem Jahr auch bei uns in die Schule gehen, sie ist nämlich schon ca. 5 Jahre alt (so genau wissen wir das leider nicht). Mit dem Lehrplan für dieses Schuljahr sind wir schon fast fertig, gelernt haben wir jetzt alles(Zahlen von 1-10, Vokale, Namen schreiben, Linien und Formen). Trotzdem gibt es noch genug Arbeit. Vor allem in meiner Klasse, bei den Finalisten. Wir wollen noch einmal einen kleinen Test schreiben, so wie vor Ostern. Dann müssen für alle Kinder im Kindergarten (also alle 300) Zeugnisse mit Punkten in 12 verschiedenen Kategorien geschrieben werden, und die Finalisten bekommen zusätzlich noch ein Diplom (mit Passfotos, die ich momentan mache. Bei 107 Kindern ist es leider ein bisschen schwierig den Überblick zu bewahren, zu mal so viele Kinder in den letzten zwei Wochen nicht in der Schule waren, weil die Eltern noch nicht bezahlt haben). Und dann werden noch alle Arbeiten der Kinder, also alle Hefte, alle Bilder etc. was im Laufe des Jahres angefertigt wurde, in Mappen verteilt, die wir den Kindern am Ende mit nach Hause geben. Also es ist echt noch genug Arbeit. Wir haben jetzt auch wieder einen einheitlichen Stoff gekauft, für das Schuljahresende, aus dem wir für alle „Finalisten“ der dritten Klasse Hose+Hemd bzw. Kleider nähen lassen. Wir Lehrer haben auch den gleichen Stoff bekommen, um uns für diesen Anlass was daraus nähen zu lassen. Das freut mich immer sehr. Aber ich will trotzdem nicht, dass die Schule Mitte Juni schon zu Ende geht, das macht mich doch schon sehr traurig.  Mir tut jetzt schon jeder Tag leid, an dem ich nicht in der Schule bei meinen Kindern sein kann.

Linda und ich haben jetzt auch einige Spenden erhalten, die wir den Schwestern hier direkt vor Ort geben konnten. Mit diesem Geld wird der Kindergarten dabei unterstützt den alten, verfallenen, heruntergekommen und somit schon sehr gefährlichen „Spielplatz“ zu sanieren, einzuzäunen und sogar zu überdachen, damit die Kinder während der Regenzeit bei Regen und auch während der Trockenzeit bei unerbittlich heißer Sonne draußen spielen können. Im Centre können mit dem Geld Medikamente, Milch, Zucker und Soja für die unterernährten Kinder gekauft werden.  50 Euro sind umgerechnet schon ca 65000 kongolesische Franc  und damit kann man beispielsweise  zwei 5 kg Säcke  Milchpulver kaufen. An dieser Stelle bedanken Linda und ich uns auch ganz herzlich bei allen Leuten, die für die Salvatormission gespendet haben. Vielen herzlichen Dank!!

Anfang Mai hatten wir auch eine Art „Lehrerausflug“ und konnten GECAMINES (LA GENERAL DES CARRIERES ET DES MINES) besichtigen. Das ist sozusagen das Industriegebiet von Kolwezi, und eigentlich der Grund warum die Stadt Kolwezi als solche existiert. Es handelt sich dabei um den Bergbau und  die Minen von Kolwezi. Aufgebaut wurde das noch zur belgischen Kolonialzeit so ca 1950. Rund um Kolwezi ist ein riesen Bergbaugebiet und das, samt den Fabriken, wo das Abgebaute verarbeitet wird, haben wir besichtigt. GECAMINES ist wie eine eigene Stadt geworden. Es gibt extra Kirchen, Krankenhäuser und Schulen, und die ganze Familie von Arbeitern des GECAMINES durften früher  kostenlos in diese Krankenhäuser und Schulen gehen. Sie bekamen sogar am Ende jedes Monats eine gewisse Ration Lebensmittel. Leider ist das alles total  zusammengebrochen, wie der ehemalige Präsident Laurent Kabila, ermordet wurde. Erst vor zwei Jahren wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Sie sind zum Beispiel gerade dabei  1400 Meter in die Tiefe zu graben auf der Suche nach Rohstoffen, nach zwei Jahren sind sie erst bei 30 Metern,  aber das sah schon beeindruckend aus. Hier wird eben Kupfer (Malachit) und Cobalt abgebaut. Aber der Boden ist echt sehr rohstoffreich. Eigentlich ein Segen für den Kongo, aber andererseits auch sein Fluch, weil erst dadurch die Ausbeutung und die Kriege begonnen haben. GECAMINES gehört mittlerweile Kongolesen, aber es gibt noch genug solcher Firmen die Chinesen oder Amerikaner gehören.

Mein Chor hatte im Mai auch sein großes Konzert, bei dem ich aber leider nicht mitsingen konnte, da ich genau die Woche davor krank geworden bin (wahrscheinlich Malaria, aber man weiß es nicht so genau. Ich bekam auf jeden Fall sofort viele Medikamente aus unserem Krankenhaus, durch die ich dann ein paar Tage im Bett lag, aber danach ging es wieder schnell bergauf.) und daher sehr viele Chorproben verpasst habe. Aber es war vielleicht auch besser so, da sie schon, bevor ich im Chor überhaupt angefangen habe, dafür geprobt haben. Sie hatten insgesamt 25 Lieder und da hätte ich niemals alle mitsingen können. Und so konnte ich das wunderbare Konzert als begeisterter Zuhörer genießen.  Und in der Pause durfte ich ganz selbstverständlich  „hinter die Bühne“ um meine Freunde zu beglückwünschen. Also dieser Chor ist echt unglaublich begabt. Und das macht mich wahnsinnig stolz. Mittlerweile gehe ich auch wieder regelmäßig drei Mal pro Woche in die Chorprobe und singe auch pro Woche mindestens bei einer Messe mit. Und ich muss auch sagen, dass es mir immer mehr Spaß macht.

In wenigen Tagen kommt aber jetzt mein größtes Highlight von diesem Monat. Am 25. Mai sehe ich seit 10 Monaten das erste Mal wieder einen Teil meiner Familie aus Deutschland, ich bekomme nämlich Besuch von meinem Vater. Ich bin wirklich schon sehr aufgeregt und gespannt, aber davon erzähle ich euch dann im Juni-Bericht.

Bis zum nächsten Mal

Eure Tantine Lea

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Mai 21, 2012 in Unzugeordnet

 

 

Jambo yeno!

„Ni je?“  (wie geht’s  auf Swahili;  Antwort auf Französisch: „bien“. Daran sieht man mal wieder wie sehr Swahili und Französisch hier in Katanga gemischt werden)

Hier bin ich schon wieder, meine lieben Freunde. Der  Monat April ist mal wieder total schnell vergangen. Durch die ganzen Osterfestlichkeiten,  Osterferien und dann wieder Schulbeginn war doch einiges los, obwohl ich mir im ersten Moment dachte, was soll ich nur alles über den April schreiben? Aber wenn man mal kurz darüber nachdenkt, fällt einem doch wieder einiges ein.

Jetzt von vorne, die Osterwoche:

Am Palmsonntag gab es einen kleinen Umzug von einem Platz,  ganz in der Nähe von unserem Kloster,  bis zu unsere Pfarreiskirche Mariapolis. Natürlich wurden keine so schöne Palmbuschen wie bei uns gebunden, was ich fast ein bisschen vermisst habe, aber dafür hatte jeder einen richtigen  Palmwedel in der Hand, also von einer echten Palme, und das fand ich dann schon wieder cool, dass das hier in Afrika natürlich superleicht möglich ist. Und anschließend war natürlich eine wunderschöne, feierliche  (mit ganz vielen Palmwedel, die bei einigen Liedern freudig in der Luft geschwenkt wurden)  Messe.

An Gründonnerstag waren wir morgens und abends in einer Messe.  Abends gab es sogar eine Fußwaschung, d.h. der Pfarrer ist mit seinen Ministranten durch die Kirche gegangen und hat  12 zufällig gewählten Leuten aus den Bänken die Füße gewaschen, und zwar nicht nur Männern, sondern auch Frauen.  Das fand ich richtig schön, bei uns gibt es ja kaum noch Messen mit richtiger Fußwaschung, was doch echt schade ist.

An K-Freitag waren wir auf einem Kreuzweg im Freien, also man ist von Station zu Station gegangen, und vorne dran ging ein Mann mit einem großen Holzkreuz auf der Schulter. Die letzte Station war dann in der Kirche mit anschließendem Gottesdienst. Das war der „schönste“ Kreuzweg, den ich bis jetzt je mit gebetet habe.

An K-Samstag haben wir dann bei uns zu Hause für Ostern hergerichtet (also z.B. gekocht, im Wohnzimmer schöne, festliche Vorhänge aufgehängt und auch einen Spruch an die Wand geklebt) und abends gingen wir schon in die Ostermesse( um 19 Uhr gingen wir von uns zu Hause weg und um 1 Uhr in der Früh waren wir wieder daheim). Die Ostermesse war natürlich mal wieder megabeeindruckend, am Anfang hatten auch alle nur brennende Kerzen in der Hand, und es war kein elektrisches Licht an. Der Chor hat mal wieder unglaublich gut gesungen und es gab wieder die kleinen Tanzmädchen. Außerdem gab es noch eine Taufe von mindestens 20 Kindern (und einer alten Frau), die an Ostersonntag ihre Erstkommunion empfangen haben und deswegen vorher noch getauft werden mussten.  Ich habe noch nie so eine Massentaufe gesehen.   Aber deswegen hat die ganze Messe auch ein bisschen gedauert. Leider gab es nicht den Brauch, dass Osterkörbe mit Essen geweiht werden (fand ich schon ein bisschen schade, obwohl die Schwestern bei uns sogar ein Osterlamm gebacken haben, genauso wie bei uns, die Form kam aber auch aus Deutschland) aber dafür wurde bei der Gabenbereitung neben dem ganzen Essen, Kerzen, Klopapier, Seife…. auch eine lebendige Ziege, ein lebendiges Huhn, eine lebendige Ente und ein lebendiger Hase in die Kirche hineingetragen. (Die armen Tiere.)

Ja und dann an Ostersonntag waren wir wieder vormittags, dieses Mal nur knappe drei  Stunden, in der Ostermesse, und danach hatten wir alle bei uns (also mit allen Schwestern) ein festliches Mittagessen. Die Tafel war auch richtig feierlich  gedeckt, mit gelben Servietten und echten gelben Blumen, sah  aus wie bei uns im Frühling. (à propos  Jahreszeiten: momentan haben wir den Übergang von Regen- zu Trockenzeit, d.h. in der Früh ist es wirklich richtig kalt, auch mit einem sehr kalten Wind, so dass meine Hände auf dem Weg zur Schule schon richtig rot werden, und  vor Kälte  fast weh tun. Dafür ist es aber mittags/nachmittags brütend heiß und die Sonne brennt nur so vom Himmel, wie es geht. Dadurch, dass es jetzt auch kaum mehr regnet sind die Straßen ein größerer Sandkasten denn je. Ich müsste meine Füße jeden Tag mindestens 10-mal waschen und meine Hosen sammeln unten auch schon Sand an und wechseln die Farbe zu graubraun.)

Insgesamt habe ich auf jeden Fall die gesamte K- und Osterwoche noch nie so intensiv miterlebt wie heuer, und dafür  bin ich mal wieder sehr dankbar, Ostern hier verbracht haben zu können.

Am Nachmittag von Ostersonntag waren Linda und ich noch auf die Erstkommunionfeier von der Tochter von meiner Kindergartentante, in deren Klasse ich arbeite, eingeladen. Und abends gab es bei uns noch ein kleines „Osterfest“, d.h. es wurde wie immer Bier oder Sangria getrunken, Popcorn und Erdnüsse gegessen und ein bisschen zu Videoclips getanzt. An Ostermontag wurde wieder ganz normal gearbeitet. Zu der Zeit von Mobutu, den langjährigen Diktator, wurden nämlich anscheinend alle christlichen Feiertage verboten, so dass es heute noch kaum  offizielle christliche Feiertage gibt, außer sie sind an einem Sonntag. Mobutu hat auch, wie ich mal mitbekommen habe,  verboten, dass  sich die Leute auf christliche Namen taufen lassen, so dass man sich auf swahilische Namen taufen lassen musste. Erst seit ca. 1990 darf man sich wieder auf christliche Namen taufen.

Die drei Tage nach Ostern hatten unsere Schwestern hier ein wichtiges „chapitre“ (also irgendeine sehr wichtige Versammlung) und deswegen waren total viele Schwestern bei uns. Es kamen drei aus dem Landesinneren und ca. sieben aus Lubumbashi und Kasumbalesa. Und dann waren noch jeden Tag sieben Schwestern aus Bukama bei uns, die an dem chapitre teilgenommen haben. Das heißt es war bei uns einfach wahnsinnig viel los; beim Essen waren wir immer so viele, dass wir lieber in der Außenküche gegessen haben, und Linda und ich kamen uns auch vor, als würden wir in einer Stadt aus Schwester wohnen, an jeder Ecke standen irgendwelche Schwestern. Insgesamt waren untertags mindestens 40 Schwestern bei uns. So konnte ich aber noch zwei neue Schwestern kennenlernen und das hat mich mal wieder sehr gefreut, weil es echt immer total liebe Menschen sind.  Da ist es jede neue Bekanntschaft wirklich wert, man kann sich immer darauf freuen, eine neue Schwester kennenzulernen.

Dann hatte ich ja  insgesamt zwei Wochen Osterferien. Die meiste Zeit war ich mit der Linda in der Arbeit und habe mal wieder viele neue und interessante Erfahrungen gesammelt. Also zum einen habe ich wieder in der CPS (consulation pre-scolaire) gearbeitet, d.h. ich habe an einem Tag ca. 120 Babys gewogen. Außerdem war ich noch bei den Neueinschreibungen dabei. Dann konnte ich aber auch zum ersten Mal bei der CPN (consultation pre-natale) zusehen, die Untersuchung der schwangeren Frauen. Das ist doch sehr interessant, weil das ohne jegliche technische Geräte abläuft. Der Bauch der Mutter wird per Hand abgetastet, bzw. es wird versucht richtig den Kopf des Babys, durch den Bauch durch, in Händen zu halten (wo ich mir immer dachte, dass muss den Müttern doch so weh tun, weil ihnen richtig hart in den Bauch gedrückt wird, um eben die Form des Kindes einigermaßen ertasten zu können. Sie haben auch teilweise das Gesicht verzogen, aber es ist anscheinend  auszuhalten). Dann wird danach auch die ungefähre Größe des Kindes mit einem normalen Maßband abgemessen und dann versucht man noch mit einem einfachen kleinen Trichter den Herzschlag der Mutter und des Kindes zu hören.  Dann wird der Mutter noch der Blutdruck gemessen und das war es auch schon wieder. Und das ungefähr jeden Monat bis zur Geburt. Das heißt die Mütter sind außer bei der Geburt nie im Krankenhaus. Alles davor und danach läuft bei uns im Centre ab. Sowohl beim CPS als auch beim CPN bekommen die Mütter auch „Unterricht“, d.h. es wird ihnen (leider auf Swahili, deswegen  habe ich kaum verstanden, um was es ging) erklärt, wie sie sich richtig um ihre Kinder kümmern, sie richtig versorgen etc. Beim CPN wurde ihnen auch gesagt, dass sie vor 2015 nicht mehr schwanger werden sollen, weil so viele Kinder weder für die Mütter noch für die Kinder gut sind. Das fand ich schon ein bisschen witzig, bei uns hat jeder Mensch im Durchschnitt  1,3 Kinder, was zu wenig ist, und hier in Afrika muss ihnen gesagt werden, dass sie möglichst nicht jedes Jahr schwanger werden sollen.

Und dann war ich auch zum ersten Mal bei dem „nutririon“-Programm für die unterernährten Kinder dabei. Jeden Tag von Montag bis Freitag, außer mittwochs, kommen die Mütter mit ihren Kindern und bereiten eine Milch und einen Brei aus gestampften Sojabohnen, gemischt mit Wasser und Zucker zu. Wenn wir kein Soja kaufen konnten, gibt es nur warme Milch mit Zucker. Das wird dann an alle Kinder verteilt und sie essen einen Teil schon im Centre und dann bekommen sie auch noch einen kleinen gefüllten Topf  mit nach Hause.  Teilweise kann man richtig beobachten, wie die Kinder dadurch stärker werden, aber ich habe leider auch ein paar Fälle gesehen, die mir richtig ans Herz gegangen sind. Ein kleiner Junge, ein Jahr und drei Monate alt, sah einfach richtig schlimm aus. Er hatte einen (vergleichsweise  zum Rest des Körpers) großen Kopf und einen aufgeblähten Bauch, aber seine Arme und Beine waren wirklich nur Haut und Knochen, einfach so dünn wie Steckerl. Er konnte auch überhaupt nichts tun außer sitzen, er hat nicht einmal die Kraft mit der Hand nach was zu greifen. Und dieser Junge kommt auch immer nur mit seiner älteren Schwester, weil die Mutter es anscheinend nicht für nötig hält oder es nicht wahrhaben will. Das find ich schon auch richtig schockierend. Er war auch mal krank, und wir meinten zu der Schwester,  sie sollten mit ihm ins Krankenhaus gehen, aber sie antwortete nur, die Mütter würde es sicher verweigern. Vielleicht,  weil einfach auch nicht das Geld da ist, man muss ja jede Behandlung auch im Krankenhaus bezahlen. Da zerreißt es einem schon richtig das Herz. Dann ist da auch noch eine Mutter mit Zwillingen, aber der eine sieht einfach so aus als wäre er neugeboren und der andere ist ca. ein Jahr alt. So krass diesen Vergleich zu sehen. Das kleine Mädchen kann noch nicht mal sitzen und tut sich auch beim atmen wahnsinnig schwer (da kommen meistens immer nur so röchelnde Geräusche) und ihre Zwillingsschwester kann schon alleine sitzen, und sogar schon alleine ihre Milch löffeln. Das ist doch echt nicht fair und fruchtbar mit anzusehen. Aber dafür gibt es zum Glück eben auch Kinder, bei denen diese nahrhafte Milch anschlägt uns sie immer kräftiger werden, so dass man sich nicht völlig hilflos vorkommt.

Am 16.April ging dann wieder die Schule/der Kindergarten los. Ich habe mich jetzt dafür entschieden, für den Rest des Jahres in der dritten Klasse zu bleiben, da es dort einfach momentan am meisten Arbeit gibt, weil es ja die Finalisten sind und auf die Grundschule vorbereitet werden müssen. Außerdem komm ich auch mittlerweile total gut mit den Kindern zurecht und mit der Lehrerin verstehe ich mich auch super. Wir hatten jetzt das Thema Markt und Geschäfte und sind auch auf einen echten Markt zur Besichtigung gegangen. Schließlich kauft man Gemüse, Kartoffeln, Fisch und Palmöl auf dem Markt und nicht in den kleinen Geschäften.  Außerdem bringen wir den Kindern, neben den Vokalen, noch bei,  ihre Namen zu schreiben, damit sie sich in der Grundschule nicht so hart tun. Aber das ist doch sehr viel Arbeit. Jeden Tag nach der Pause  werden jetzt nur noch Namen geschrieben. Aber ich merke, dass das den Kindern viel mehr Spaß macht, als einfach Zahlen oder Vokale zu schreiben. Aber leider fragen sie mich so auch alle zwei Minuten, ob das so richtig ist, und bei 107 Kindern weiß man irgendwann nicht mehr wo vorne und hinten ist. „Tantine Lea“ kann ich dann bei Unterrichtsende auch  nicht mehr hören. Aber es macht mich ja auch gleichzeitig sehr stolz.

In den Ferien durfte ich auch auf einen Ausflugstag, den wir für die Kinder von den Salvatorianer Laien organisiert haben, als Betreuerin mit, weil ich ja im Kindergarten arbeite und somit Erfahrung mit Kindern habe, und das hat mich auch sehr gefreut. Also sind meine Kenntnisse und meine Erfahrungen schon langsam gefragt.

Linda und ich haben uns auch zwei Hasen von Franziskanerbrüdern gekauft. Die wohnen jetzt im Hühnerstall. Das eine ist ein Männchen namens Schiller, und das andere ein Weibchen namens Vivaldi. So haben unsere Schwestern, wenn wir abreisen, noch ein lebendiges Andenken an uns und auch ein bisschen deutsche Kultur.  Das lustigste war aber, dass wir zwei Schwestern vorher gefragt haben, und jede gleich geantwortet hat „ ja natürlich kein Problem“. Bei uns ist die Frage nach einem Haustier einfach immer ein riesen Diskussionsthema, von mindestens einer Woche. Wir schreiben ja sogar Erörterungsaufsätze darüber in der Schule. Aber  hier stand das völlig außer Frage, auch dass sie sich ja dann um sie  kümmern müssen, wenn wir in drei Monaten weg sind (oh Gott – nur noch zweieinhalb  Monate!!! Ich versuch immer so selten wie möglich, das Datum zu beachten und wenn doch,  versuch ich zu vermeiden,  bis 18. Juli hochzurechnen.)

Dann gab es leider mal wieder einen Todesfall, der dieses Mal aber ganz Kolwezi in große Trauer versetzt hat.  Ein Pfarrer aus Kolwezi ist nach einer Kerbserkrankung, noch in jungen Jahren, im Krankhaus in Lubumbashi gestorben.  In seiner Pfarrei war auch wieder vier Tage „deuil“, wo sehr viele Leute in der Kirche geschlafen haben, unter anderem  zwei Schwestern von uns.  Linda und ich waren bei der Messe dabei, bei der der Sarg mit seiner Leiche von Lubumbashi in die Kirche nach Kolwezi kam. Das war nochmal eine ganz andere Art von Trauer. Ich musste fast selber weinen, obwohl ich den Menschen gar nicht kannte. Die Kirche war gesteckt voll, mit Angehörigen, Leuten aus der Pfarrei und ganz Kolwezi. Sein Sarg wurde dann von Pfadfindern in die Kirche getragen und auf die Sekunde fingen einfach alle an wahnsinnig laut zu weinen, schreien, schluchzen, vor sich hin zu jammern. Das war wirklich hier eine der unangenehmsten Situationen für mich  bis jetzt. Das war so furchtbar mit anzuhören. Es kam uns aber auch so vor, als würden sich die Leute richtig in Trance weinen. Einige wurden dann auch noch nach draußen begleitet, da sie, meiner Ansicht nach, auch den Anschein hatten, gleich den Verstand zu verlieren.  Und das alles in einer öffentlichen Kirche. Das würde bei uns einfach keiner wagen, so hemmungslos und laut zu weinen, sein Leid zu klagen.  Für Linda und mich war es aber auch wirklich eine sehr beklemmende und ungewohnte Erfahrung. Uns kam das ganze natürlich auch ein wenig seltsam vor, so als ob die Leute plötzlich auf Knopftruck so heulen können und dann aber auch auf Knopftruck wieder aufhören können. Für uns ist das fast ein bisschen so, als wenn es gespielt und nicht echt wäre, aber ich glaube das liegt nur daran, dass wir es nicht gewöhnt sind und es auch das erste Mal war, dass wir sowas miterlebt haben.  Aber es war auf jeden Fall auch wieder eine neue Erfahrung und ein wichtiger Schritt, die afrikanisch-kongolesische Kultur ein wenig besser kennen- und verstehen zu lernen.

Ach ja dann habe ich ja schon im letzten Artikel erwähnt, dass ich anfangen will in einem Kirchenchor zu singen. Ich habe jetzt auch angefangen und auch die Sache mit der Disziplin wird immer besser.  Wir proben fast jeden Tag, mindestens vier Mal die Woche, da wir anscheinend auch bald ein Konzert haben, aber das hindert uns auch nicht daran ein oder zwei Messen pro Woche zu singen. Ich war bis jetzt bei einer Donnerstagsabendmesse und bei meiner ersten richtigen Sonntagsmesse dabei. Die Sonntagsmesse hat mir richtig viel Spaß gemacht. Wir hatten total schöne Lieder (obwohl wir erst am Samstag angefangen haben,  dafür zu proben, aber das ist hier auch kein Problem, weil einfach alle so megabegabt sind und eine so unglaublich schöne Stimme haben, sowohl Männer als auch Frauen. Wir haben auch die vier Stimmen:  Sopran, Alt, Tenor, Bass, und sie tun sich da überhaupt nicht schwer, obwohl die meisten nicht einmal Noten lesen können; was wiederrum für mich um so schwerer ist, weil wir fast nie Noten bekommen, und ich weder die Texte noch die Melodien kenne.  Also die Afrikaner haben aber die Musik wirklich im Blut und im Herzen, mehr als wir Europäer auf jeden Fall). Bei der Sonntagsmesse war auch wieder eine (Massen)Taufe, dieses Mal aber von Babys. Also es hat mir richtig viel Spaß gemacht, und ich war auch ganz „alleine“ in der Kirche, also ohne Linda und ohne irgendeine Schwester, weil die alle bei uns eine Messe hatten. Und das hat mich doch auch mal wieder ein wenig stolz gemacht und ich fang jetzt auch an, mich mit mehr gleichaltrigen, Einheimischen anzufreunden. Es ist andererseits schon auch teilweise sehr stressig, weil wir sehr oft proben, und immer mindestens zwei Stunden, und dann noch mit dem Kindergarten und den Aufgaben daheim………..aber es macht mir trotzdem riesen Spaß und ich werde so gut wie möglich versuchen weiter dranzubleiben.

Letzten Sonntag waren wir auch noch auf einer Pfadfinder Veranstaltung eingeladen,  bei denen die Pfadfinder ein neues Abzeichen („routier“)  bekommen haben. Wir haben nämlich einige Schwestern, unteranderem die Regionaloberin und die Direktorin vom Kindergarten, die Pfadfinder „Scout“ sind und drei davon bekamen dieses neue Abzeichen und haben uns dazu eingeladen. Ich weiß noch wie überrascht Linda und ich am Anfang waren, wie uns eine Schwester erzählt hat, sie sei Scout. Aber mittlerweile finden wir es richtig cool und sind auch richtig stolz auf unsere Schwestern. Wir meinten auch, sobald wir wieder herkommen und Kongolesen werden, würden wir auch sofort bei den Scout eintreten.  Daraufhin wurde uns „öffentlich und feierlich“  vom Oberchef der Scout die Erlaubnis dafür erteilt und uns wurden auch schon die Begrüßungen (z.B. mit der linken Hand, weil das die Seite des Herzens ist) und die wichtigsten Grundlagen erklärt.  Das war auch mal wieder ein sehr lustiger Nachmittag mit neuen Bekanntschaften.

Und somit verabschiede ich mich schon wieder aus Kolwezi und bis nächsten Monat.

Eure Tantine Lea

 

 

 

 

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - April 29, 2012 in Unzugeordnet

 

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - April 14, 2012 in Unzugeordnet